Kieler Professorinnen und Professoren von 1919 bis 1965

Philipp Eduard Anton Lenard

Personendaten
Name Lenard
Vorname Philipp Eduard Anton
Geburt in Preßburg (Bratislava), Königreich Ungarn (Slowakei)
Tod in Messelhausen (Baden), Bizone (Amerikanische Besatzungszone)
Akademischer Grad Prof. Dr. rer. nat.
Familienstand verheiratet
Anzahl Kinder 2
Link http://gelehrtenverzeichnis.de/c5c898a5-96a9-ac86-36c6-5076cd4d6491
Verknüpfungen http://gelehrtenverzeichnis.de/c5c898a5-96a9-ac86-36c6-5076cd4d6491
Quelle: Universitätsbibliothek Kiel
Verwandtschaften
Elternteil Antonie Lenard von Lenardis ( - )
Elternteil Philipp Nerius Lenard von Lenardis ( - )
Ehepartner Katharina Lenard ( - )
Kind Ruth Lenard ( - )
Kind Werner Lenard ( - )
Studium
1880 - 1881Naturwissenschaften in Wien
1881 - 1882Naturwissenschaften, Chemie in Budapest
1883 - 1884Mathematik, Physik, Chemie in Heidelberg
1884 - 1885Mathematik, Chemie, Physik in Berlin
1885 - 1886Promotion: Chemie, Mathematik, Physik in Heidelberg
Qualifikationsschriften
1886 Dissertation: Über die Schwingung fallender Tropfen. (Physik) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
1892 Habilitation: Über die Elektrizität der Wasserfälle. (Physik) Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn
Akademische Karriere
1887 - 1890wiss. Assistent für Physik: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Heidelberg
1890 - 1891wiss. Assistent für Physik: Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau in Breslau
1891 - 1894wiss. Assistent für Physik: Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn in Bonn
1894 - 1895ao. Professor für Theoretische Physik: Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau in Breslau
1895 - 1896Oberassistent für Physik: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen in Aachen
1896 - 1898ao. Professor für Theoretische Physik: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Heidelberg
1898 - 1907o. Professor für Physik: Physikalisches Institut, Philosophische Fakultät, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Kiel
1907 - 1932o. Professor für Physik: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Heidelberg
Weitere Informationen
1871 - LifeStationType.School in Preßburg
1876 - 1880AbiturGymnasium in Preßburg
1883 - 1883Tätigkeit in der Weinhandlung des Vaters in Preßburg
1890 - 1890Tätigkeit an der »City and Guilts of London Central Institution« in London
1937 - 1945MitgliedNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in Heidelberg
Ehrungen
1896 Große Rumford-Medaille in goldener und silberner Ausprägung Britische Royal Society
1897 Prix Lacaze Pariser Akademie der Wissenschaften
1897 Goldene Matteucci-Medaille Italienische Akademie der Wissenschaften
1905 Mitgliedschaft Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften
1905 Königlich Preußischer Geheimrat König von Preußen
1905 Nobelpreis für Physik Nobelstiftung
1905 Preis der Berliner Akademie der Wissenschaften Berliner Akademie der Wissenschaften
1937 Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
Bilder
Philipp Eduard Anton Lenard
Quelle: Universitätsbibliothek Kiel
Philipp Eduard Anton Lenard
Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Biographische Notizen
Bereits am Beginn seines wissenschaftlichen Werdegangs zerstritt sich Lenard mit Röntgen: Dieser hatte Lenards Vorarbeiten zu Entladungsröhren und insbesondere eine ihm von Lenard zugesandte Röhre in der Schilderung seiner Entdeckungen der Röntgenstrahlen nicht erwähnt. Lenard zog es deshalb zeitlebens vor, von "Hochfrequenzstrahlen" zu sprechen. Nach der Ehrung mit dem Nobelpreis für Physik (1905) aufgrund einer falschen Behandlung einer Lymphknotenschwellung schwer an einer Muskelkontraktion im Nackenbereich erkrankt, widmete sich Lenard im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verstärkt überblicksartigen Werken und begeisterte sich nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg zunehmend für die Ideen Adolf Hitlers, den er 1926 persönlich kennen lernte. Erschwerend kam hinzu, dass Lenard im Zuge der Inflation sein gesamtes Vermögen, darunter das Preisgeld des Nobelpreises, verlor - in der Folgezeit adaptierte er mehr und mehr den nationalsozialistischen Hass auf die jüdische Bevölkerung und weigerte sich 1922, sein Institut anlässlich des Trauertages zur Ermordung des Außenministers Rathenau teilzunehmen, woraufhin eine wütende Menge das Institut besetzte und er selbst festgenommen wurde. Der experimentellen Physik zugewandt, konnte Lenard mit den neuen Theorien insbesondere Einsteins nicht mehr mithalten, was er mit heftigen, auch öffentlichen Anfeindungen (1920 bei einer Tagung in Bad Nauheim) und einer Theorie der "arischen" Physik (vgl. das vierbändige Überblickswerk "Deutsche Physik", Erstausgabe 1936ff.) zu kompensieren suchte. Neben Johannes Stark war Lenard der einzige prominente Physiker, der den Nationalsozialismus unterstützte, und wurde umgekehrt von der Partei als herausragender Wissenschaftler gefeiert. Mit zunehmendem Alter sank allerdings sein Einfluss, sodass die alliierten Besatzer ihn nicht mehr vor eine Entnazifizierungskammer stellten. Während Lenards herausragende Leistungen für die Physik deshalb im Schatten seiner Begeisterung für Hitler stehen, zeichnete er sich zu Lebzeiten nicht nur durch eine unendliche Begeisterung für seine Untersuchungsgebiete, sondern auch durch extreme Autorität und Dominanz aus, die ihn zwar wie einen "Priester der Physik" wirken ließen, gleichzeitig aber das eigentständige Arbeiten seiner Doktoranden behinderten und im Institut offenbar eine Atmosphäre des Zwangs schafften.
Literatur
Schmidt-Schönbeck, Charlotte: 300 Jahre Physik und Astronomie an der Kieler Universität, 2. Auflage, Kiel 2011.
Beyerchen, Alan D.: Wissenschaftler unter Hitler. Physiker im Dritten Reich, Frankfurt a. M. 1982, S.
Freiherr zu Pulitz, Gisbert: Philipp Lenard (1862-1947), in: Doerr, Wilhelm u. a. (Hgg.): Semper apertus. Sechshundert Jahre Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1386-1986, Bd. 3: Das zwanzigste Jahrhundert 1918-1985, Berlin u. a. 1985, S. 376-405.
Schirrmacher, Arne (Hg.): Philipp Lenard: Erinnerungen eines Naturforschers. Kritisch annotierte Edition des Originaltyposkriptes von 1931/1943, Berlin/Heidelberg 2010.